Pfand einlösen für "Hand in Hand für Uganda e.V."

Seit mehr als 20 Jahren werden in Münchner Schulen durch engagierte Lehrer*innen die leeren Flaschen der Schülerinnen und Schüler gesammelt und wird das Pfand eingelöst und für verschiedene soziale Projekte weltweit verwendet. Die Schulen am Standort Bergsonstraße sind seit Anfang an dabei.

Auch die Technikerschule und die Berufsschulen an der Deroystraße beteiligen sich nun seit Jahren an diesem Flaschenprojekt und unterstützen damit seit 2020 den Münchner Verein „Hand in Hand für Uganda e.V.“ Gegründet 2009, ist der Verein seither ständig gewachsen und unterhält inzwischen ein eigenes Waisenhaus mit mehr als 60 Kindern und Jugendlichen, die teilweise bereits in einer Ausbildung stehen oder sie abgeschlossen haben.

Der Verein mit seinen 56 Mitgliedern ist ehrenamtlich in vielfältigen Bereichen aktiv:

Er kümmert sich um

- Waisenkinder und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Raum Masaka/Uganda, indem für sie durch Patenschaften und sonstige Spenden ausreichende Ernährung, ein Zuhause, regelmäßiger Schulbesuch und medizinische Behandlung ermöglicht werden.

- engagierte Frauen der Gruppe "Kawekulakulanja", die Mikro-Kredite in eigener Verantwortung verwalten. Die Anschub- und Ausfallfinanzierung übernimmt der Verein.

- die Bewohner des Dorfes Nkoni und des Nachbardorfes, denen bereits zwei Brunnen für sauberes Trinkwasser finanziert werden konnten.

- die gesundheitliche Versorgung auch weiterer umliegender Dörfer, indem seit März 2019 auf dem Grundstück des Waisenhauses wöchentlich einmal eine medizinische Versorgung durch Ärzt*innen und Krankenschwestern und -pfleger angeboten wird. Die Kosten für Personal, Medizin und Hilfsmittel übernimmt der Verein.

- die nächstliegende Grundschule „Butale Mixed Primary School“ durch Renovieren und
Neubauen der Gebäude aus dem Jahr 1927. Ebenso wurden für die Schule ein Brunnen und soweit möglich eine Schulspeisung der mehr als 430 Kinder finanziert.

Die Coronapandemie hat ähnlich wie bei uns die Lebensbedingungen unglaublich vieler Menschen in Uganda völlig verändert:

  1. Schulen/Waisenhaus: Die Schulen waren in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt fast 19 Monate geschlossen. Dadurch waren die Kinder gezwungen, im Waisenhaus zu leben, das für eine so große Zahl Kinder niemals gebaut worden war. Um mehr Raum für alle zu schaffen, hat der Verein im Herbst 2021 ein neues Haus errichtet, in dem die größeren Jungen getrennt von den Mädchen schlafen können. Außerdem wurden für das Home-Schooling der älteren Jugendlichen in den Abschlussklassen zwei Laptops angeschafft.
  2. Impfung: Alle Kinder und Angestellten im Waisenhaus sind zu Beginn des Jahres 2022 wenigstens einmal auf staatliche Kosten geimpft worden. Der Verein hat die Kosten für eine zweite Impfung, die privat bezahlt werden muss, zunächst für 20 Personen bezahlt. Weitere werden folgen müssen.
  3. Familien: In den meisten Familien im Land konnten die Eltern die Kinder nicht mehr ernähren, da alle Geschäfte geschlossen waren. Daher hat die Zahl der Straßenkinder unglaubliche Ausmaße erreicht. Besonders schlimm hat es die jungen Mädchen getroffen, die auf Anraten des Präsidenten zur Heirat in Nachbarländer verkauft werden sollten und wurden. Für 30 Familien aus dem Dorf hat der Verein große Lebensmittelpakete finanziert, sodass wenigstens für ein paar Monate die Ernährung gesichert werden konnte.
  4. Mobilität: Bedrohlich war die Tatsache, dass im Lock Down Transportmöglichkeiten komplett zum Erliegen kamen. So konnten z.B. Menschen mit medizinischen Problemen nicht mehr ins Krankenhaus gelangen. Dies betraf z.B. auch Kinder des Waisenhauses, die nachts starkes Fieber bekamen. Kurzfristig hat der Verein deshalb ein Motorrad angeschafft, das auch im Notfall für Dorfbewohner eingesetzt werden kann.
  5. Kriminalität: Die Partner aus Uganda berichten übereinstimmend, dass durch den Ausfall der Einnahmen (z.B. in kleinen Geschäften, Selbständige in Taxi- und Boda-Boda Unternehmen) Gewalt und Überfälle sprunghaft zugenommen haben. Auch im Dorf Nkoni wurden mehrmals in der Nacht Familien überfallen, Erwachsene getötet oder misshandelt und Kinder allein zurückgelassen. Die Dorfgemeinschaft hat deshalb einen privaten Wachdienst organisiert, was vom Verein bezuschusst wurde.

Hier in Deutschland hat sich der Verein seit seiner Gründung gut vernetzt: in München als Mitglied im Nord-Süd-Forum und in Bayern im Eine-Welt-Netzwerk-Bayern.

Schließlich engagiert sich der Verein auch in der Eine-Welt-Bildungsarbeit. Dafür wurden mehrfach im Jahr in Schulen und bei anderen Gelegenheiten Vorträge über Uganda und die Zusammenarbeit mit den Partnern des Südens gehalten.

Die Arbeit und Projekte des Vereins sind bisher schon zweimal finanziell anerkannt und unterstützt worden: 2013 durch die „Sternstunden e.V.“ des Bayerischen Rundfunks und 2017 durch die Bayrische Staatskanzlei.

Für 2022 sind durch die „Schmitz-Stiftungen“ aktuell 10.000,- € für den Bau eines Tiefbohrbrunnens auf dem Grundstück des Waisenhauses genehmigt worden.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Verleihung des „Eine-Welt-Preises“ am 28.06.2014 an den Verein.

 

Thomas Langsch

Quelle: Technikerschule - Städtische Fachschule für Maschinenbau-, Metallbau-, Informatik- und Elektrotechnik - Jahresbericht 2021/2022